1. Die Beteiligten und Anspruchsgruppen
1.1 Kinder und Jugendliche (inklusive UMA)
1.1.1 Pflegefamilien
1.1.2 Familienplatzierungs-Organisation
1.1.3 Zuweisende Stelle
1.1.4 Platzierung

2. Die Familienplatzierungs-Organisation arrivo-bene
2.1 Trägerschaft
2.2 Finanzierung
2.3 Transparenz der Leistung
2.4 Staatliche Aufsicht

3. Organisation
3.1 Leitbild
3.2 Organigramm
3.3 Qualifikation des Fachpersonals
3.4 Personalschlüssel (Fachpersonal: Kind/Jugendliche) 3.5 Beschwerdeverfahren
3.6 Datenschutz
3.7 Auswahl der Pflegefamilien

4. Leistungserbringung der Familienplatzierungs-Organisation an zuweisende Stellen
4.1 Dienstleistungsmodule
4.1.1 Grundmodul
4.1.2 Home-Schooling
4.1.3 Berufliche Qualifikation
4.1.4 Therapeutische Unterstützung
4.2 Pädagogische Grundsätze
4.3 Aufnahmeprozedere
4.3.1 Auftrag
4.4 Austritt
4.5 Qualitätskontrolle der Platzierung

5. Leistungen der Familienplatzierungs-Organisationen an Pflegefamilien
5.1 Begleitung der Pflegefamilien (Feinkonzept):
5.1.1 Qualifizierung der Pflegefamilien (Aus- und Weiterbildung)
5.2 Abgeltung an Pflegefamilien

 


 

1. Die Beteiligten und Anspruchsgruppen

1.1 Kinder und Jugendliche (inklusive UMA)

Die Dienstleistungen von arrivo-bene richten sich an Jugendliche im Alter von 12. – 18. Jahren sowie junge Erwachsene (bis 25 Jahre) mit besonderen Betreuungsbedürfnissen, an deren Begleitung und Erziehung erhöhte Anforderungen gestellt werden und für die ein familiärer Rahmen die Chance auf Entwicklung beinhalten. Minderjährige Flüchtlinge, sogenannte UMA (unbegleitete minderjährige Asylbewerber), können ebenfalls als Klienten berücksichtigt werden. Viele der betreuten Jugendlichen und jungen Erwachsenen konnten sich in den üblichen pädagogischen Einrichtungen nicht eingeben bzw. haben sich in solchen verweigert. Bei ihnen haben die pädagogischen Massnahmen nicht angesprochen und nicht zu förderlichen Verbesserungen beigetragen. Oft haben diese Jugendlichen bereits mehrere Heimaufenthalte und andere sozialpädagogische Massnahmen hinter sich.

1.1.1 Pflegefamilien

Familien (*), die bereit sind, für einen bestimmten Lebensabschnitt ihren familiären „Kosmos“ zu erweitern und sich mit jungen Menschen auf einen neuen Gestaltungs- und Bindungsprozess einzulassen. Sie bieten für die Dauer der Platzierung eine verlässliche Betreuung für das Kind/den Jugendlichen in „nichtaustauschbaren“ Beziehungen (im Unterschied zur Platzierung im Heim, wo mehrere Bezugspersonen für die Kinder/Jugendlichen da sind). Pflegefamilien sind Familien, die bereit sind, «öffentliche Familien» zu werden, d.h. ihre pädagogischen Grundhaltungen offenzulegen und hinterfragen zu lassen. Von ihnen wird erwartet, dass sie sich mit ihrer persönlichen Lebensweise, mit ihren Traditionen, sozialen und familiären Kontakten für das Kind oder den Jugendlichen öffnen. Sie sind offen für andere Lebensentwürfe und bereit zum Kontakt mit der Herkunftsfamilie. Sie sind zur Zusammenarbeit bereit mit den Verantwortlichen (Vormundschaftsbehörden, Mandatsträger, etc.) und der Familienplatzierungs- Organisation. Sie wissen und akzeptieren, dass durch die Aufnahme eines Kindes Schnittstellen zu einem anderen Familiengeflecht geschaffen werden.

1.1.2 Familienplatzierungs-Organisation

Die Familienplatzierungs-Organisation übernimmt Werbung, Auswahl, Vermittlung, Beratung und Begleitung sowie Aus- und Weiterbildung der Pflegefamilien. Sie ist Auftraggeberin oder Arbeitgeberin (gemäss OR) für die Pflegefamilien und übernimmt die üblichen Funktionen eines Arbeitgebers wie Administration, Bereitstellung der Arbeitsmittel und die angemessene Entschädigung für die Pflegefamilien, sowie die Sicherstellung aller erforderlichen Versicherungen. Sie stellt die kontinuierliche Beratung und Unterstützung der Pflegefamilien sicher und hält Entlastungsangebote bereit. Die Familienplatzierungs-Organisation sichert Fortbildungen für Pflegefamilien. Die Familienplatzierungs-Organisation sichert und entwickelt die Qualität weiter durch Personal- und Organisationsentwicklung und der regelmässigen Evaluation der Angebote. Es ist für die Qualität des Angebotes ausserordentlich wichtig, dass die Familienplatzierungs-Organisation für die ganze Dauer der Platzierung für das Kind/den Jugendlichen und die Pflegefamilie zuständig ist und somit das Arrangement immer eine Einheit darstellt, bestehend aus der Pflegefamilie, dem Kind oder Jugendlichen und der Familienplatzierungs-Organisation.

1.1.3 Zuweisende Stelle

Indikation und Rahmenvoraussetzungen: In Pflegefamilien werden Kinder und Jugendliche platziert, wenn in der Hilfeplanung Entwicklungschancen für das Kind speziell in einer Pflegefamilie mit dem unterstützenden Rahmen der Familienplatzierungs- Organisation gesehen werden. Eine wichtige Voraussetzung für die Platzierung ist gegeben, wenn das Kind oder der/die Jugendliche in einer Familie leben möchte und die Herkunftsfamilie diese Lebensform für ihr Kind akzeptieren kann. Zumindest müssen zu erwartende Anforderungen von Seiten der Herkunftsfamilie durch die einweisende Behörde und/oder die zuweisende Stelle aufgefangen werden können. Es sollen klare Umgangsregellungen zwischen Herkunfts- und Pflegefamilie gefunden werden. Auch Sorgerechtsfragen und die zeitliche Perspektive sollten geregelt sein.

1.1.4 Platzierung

Die Auswahl von Pflegefamilien wird von arrivo-bene gemacht. Bei der Auswahl von Bewerbern wird die Eignung nach persönlichen und fachlichen Aspekten überprüft. Persönliche Aspekte sind Belastbarkeit, Toleranz, Flexibilität und Offenheit. Fachliche Aspekte sind neben der allgemeinen pädagogischen Kompetenz u.a. die Fähigkeit zur Selbstreflexion und die Bereitschaft, Beratung zu nutzen. Besondere Sorgfalt gilt für die Platzierungsphase. Die Platzierung orientiert sich am Bedarf des Kindes oder Jugendlichen und muss gekennzeichnet sein durch Einbezug aller Beteiligten, grösstmögliche Offenheit, Klärung der Ziele, der zeitlichen Perspektiven, der Kontakte und der Zusammenarbeit. Die Sorgfalt bei der Gestaltung der Platzierungsphase bestimmt den Erfolg einer Unterbringung in einer Pflegefamilie entscheidend mit. Die gleiche fachliche Sorgfalt ist für die Rückführung und Beendigung einer Pflegefamilienunterbringung erforderlich. Die Verantwortung für die Platzierung liegt bei der einweisenden Behörde, beziehungsweise der Inhaberin/dem Inhaber der elterlichen Sorge.

 

2. Die Familienplatzierungs-Organisation arrivo-bene

2.1 Trägerschaft

Trägerschaft der FPO arrivo-bene ist der Verein arrivo-bene. arrivo-bene ist eine gemeinnützige Institution in der rechtlichen Form eines Vereins gemäss ZGB Art. 60 ff. arrivo-bene führt Timeouts, Langzeitplatzierungen, Arbeitseinsätze sowie Berufslehren (EFZ, EBA,), für Kinder ab dem 12. Altersjahr, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, durch. Insbesondere sind auch junge Menschen in schwierigen Situationen (Kriseninterventionen) willkommen. Der Verein arrivo-bene beauftragt für die Umsetzung der Familienplatzierung geeignete Pflegefamilien und zeichnet sich für das ‚Kleinheim arrivo’ sowie das Generationenhuus Rapunzel in Oltingen verantwortlich. Der Verein setzt für die Umsetzung des Auftrages einen Vorstand ein, welche die strategische Verantwortung der Geschäftsführung übernimmt. Im Vorstand sind jeweils mindestens drei Personen vertreten, wobei mindestens eine Person nicht gleichzeitig in einem der Geschäftsbereichen von arrivo-bene tätig sein darf. Die Aufgaben und Kompetenzen des Vorstands und der Vereinsleitung sowie die Abgrenzung zur operativen Führung sind in den Stellenbeschrieben geregelt. Bei operativen und strategischen Zielkonflikten treten betroffene Vorstandsmitglieder jeweils in den Ausstand und können die betreffenden Geschäfte auf der Vorstandsebene nicht mitbestimmen.

2.2 Finanzierung

arrivo-bene finanziert sich ausschliesslich über den laufenden Betrieb und die Einkünfte über die Familienplatzierungen. Der Verein verfügt über keine eigenen Immobilien oder grössere Sachwerte und über keine weiteren Erträge. Die kaufmännische Buchführung von arrivo-bene orientiert sich an der Rechnungsführung nach aktuell gültigem Recht. Die Jahresrechnung wird durch eine externe Revisionsstelle geprüft. Die angebotenen Dienstleistungen sind modular aufgebaut und werden auf den individuellen Bedarf der Jugendlichen und jungen Erwachsenen angepasst. Die Finanzierung der Module erfolgt über eine Pauschalentschädigung. Der Verein behält sich vor, für besondere Situationen einen erhöhten Pauschalbetrag mit den zuweisenden Stellen zu vereinbaren.

Die Module gliedern sich wie folgt:

  • Grundmodul
  • Home-Schooling
  • Berufliche Qualifikation
  • Therapeutische Unterstützung

2.3 Transparenz der Leistung

arrivo-bene veröffentlicht einen Jahresbericht, in dem sowohl die inhaltliche Arbeit beschrieben ist, wie auch die Jahresrechnung offengelegt wird. 2.4 Staatliche Aufsicht Der Kanton Aargau als verantwortlicher Standortkanton der Geschäftsstelle bestätigt im Rahmen ihrer Aufsichtsaufgabe, dass arrivo-bene als Familienplatzierungsorganisation die notwendigen Unterlagen eingereicht hat und die Anforderungen der Aufsicht erfüllt. Die Abteilung Sonderschulung, Heime und Werkstätten (SHW) des Departements Bildung, Kultur und Sport des Kanton Aargaus prüft die Tätigkeit der FPO alle drei Jahre.

 

3. Organisation

3.1 Leitbild

Der Verein arrivo-bene hat ein Leitbild welches für den Verein arrivo-bene, das ‚Kleinheim arrivo’ in Oltingen, das Generationenhuus Rapunzel in Oltingen, sowie für die Pflegefamilien von arrivo-bene gilt. Dem Leitbild unterstehen alle Mitwirkenden und Beauftragten von arrivo-bene. Der Text gilt für die männliche wie auch die weibliche Form.

  • Wir versuchen durch unser Engagement, die gefährdeten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen positiv zu beeinflussen und ihre sozialen Kompetenzen zu fördern.
  • Wir beraten Behörden, Institutionen sowie Private und vermitteln für die Klienten geeignete Betreuungsplätze.
  • Wir garantieren ein familiäres, menschenwürdiges und fallspezifisches Betreuungsangebot.
  • Unsere Haltung gegenüber den Klienten ist von Vertrauen, Fairness und Respekt geprägt.
  • Unsere Haltung basiert auf professionellem Denken und Handeln.
  • Unsere Arbeit baut auf Beziehungen auf. Wir begleiten und betreuen die uns anvertrauten Klienten in allen Bereichen des Alltags wie Wohnen, Arbeit und Freizeit.
  • Unsere Unterstützung ist auch in Krisensituationen gewährleistet.
  • Wir beraten, betreuen und beaufsichtigen die Klienten an ihren Betreuungsplätzen. Ihr Wohl steht im Vordergrund.
  • Wir beraten, betreuen und beaufsichtigen die Verantwortlichen der Betreuungsplätze.
  • Wir fördern integrative Massnahmen für die Klienten an den Betreuungsplätzen (z.B. durch: Aus- und Weiterbildungen, Therapien, etc.).

Neben dem Leitbild ist für alle Mitarbeitenden und Pflegefamilien die Ethik Charta von arrivo-bene verbindlich:

  1. Gleichbehandlung für alle. Nationalität, Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, soziale Herkunft, religiöse und politische Ausrichtung führen nicht zu Benachteiligungen.
  2. Stärkung der Selbst- und Mitverantwortung. Die Klientel wird an Entscheidungen, die sie betreffen, wenn immer möglich beteiligt
  3. Respektvolle Förderung statt Überforderung. Die Massnahmen zur Erreichung der Ziele verletzten weder die physische noch die psychische Integrität der Klientel.
  4. Erziehung zu Fairness und Umweltverantwortung. Das Verhalten untereinander und gegenüber der Natur ist von Respekt geprägt.
  5. Gegen Gewalt, Ausbeutung und sexuelle Übergriffe. Physische und psychische Gewalt sowie jegliche Form von Ausbeutung werden nicht toleriert.
  6. Absage an Drogen- und Alkoholmissbrauch. Nachhaltige Aufklärung.
  7. Erziehung durch gute Beziehung. Empathie, Verständnis und Vorbildwirkung sind die Grundpfeiler für ein bejahendes Wirken.
  8. Wir verstehen die psychischen Beeinträchtigungen unserer Klientel und können damit umgehen. Insbesondere auch in diesem Bereich lassen wir uns weiterbilden.

Organigramm

 

3.3 Qualifikation des Fachpersonals

Mindestens eine der geschäftsführenden Personen verfügt über eine tertiäre Ausbildung in sozialer Arbeit, Pädagogik oder Psychologie. Für jede Funktion bei arrivo-bene liegt eine spezifische Stellenbeschreibung vor (Juli 2016). Für alle Angestellten des Vereins liegt ein Privatauszug und ein Sonderprivatauszug aus dem Strafregister sowie ein Betreibungsregisterauszug der geschäftsführenden Person(en) vor. Die Geschäftsstelle überprüft die mit den Dienstleistungen betrauten Mitarbeitenden halbjährlich hinsichtlich Einträgen im Strafregister (Privatauszug sowie Sonderprivatauszug).

3.4 Personalschlüssel (Fachpersonal: Kind/Jugendliche)

Für die Betreuung von 6-12 platzierten Kinder/Jugendlich sind bei arrivo-bene jeweils eine 100%- Stelle (Fachperson) eingesetzt. Die konkrete Umsetzung ist im Stellenplan von arrivo-bene geregelt. Die maximale Kinderzahl pro Pflegefamilie beträgt in der Regel ein Kind/Jugendlicher. Über Ausnahmen entscheidet die Geschäftsstelle und begründet diese gegenüber den Auftraggeber und dem Verein.

3.5 Beschwerdeverfahren

arrivo-bene ist Mitglied der Sozialen Unternehmungen beider Basel und ist an Ombudsstelle PRIKOP und SUbB angeschlossen. Ein Flyer der Ombudsstelle wird den Jugendlichen beim Eintritt abgegeben. Den Klientinnen und Klienten (und bei jüngeren Kindern und Jugendlichen auch deren Eltern) wird bei Beginn der Platzierung ein Merkblatt mit den Rechten und Pflichten der Kinder/ Jugendlichen abgegeben, welches die Beschwerdewege aufzeigt. Den Klienten oder Angehörigen steht es jederzeit frei, sich mit Beschwerden an die Geschäftsstelle arrivo-bene zu wenden. Die Geschäftsstelle nimmt die Beschwerden auf und geht den Hinweisen nach. Die Hinweise werden jeweils protokolliert. Beschwerden über die Geschäftsstellen können an den Präsidenten des Vereins gerichtet werden.

3.6 Datenschutz

Im Umgang mit Klientendaten orientiert sich arrivo-bene an den Richtlinien zur Aufbewahrung und Archivierung von Akten des Amtes für Sozialbeiträge, Abteilung Behindertenhilfe der Stadt Basel.

3.7 Auswahl der Pflegefamilien

In der Regel werden neue Pflegefamilien durch persönliche Empfehlungen und Kontakte von bestehenden Pflegefamilien oder des Vorstands vermittelt. Allgemeine Voraussetzungen für Pflegefamilien bei arrivo-bene sind:

  • Sie sollen Freude am Zusammenleben mit Kindern und Jugendlichen haben und in der Lage sein für deren Belange einzutreten.
  • Sie müssen im wörtlichen und übertragenen Sinne genug Raum für ein (weiteres) Kind/Jugendlichen haben.
  • Wenn Sie in einer Partnerschaft leben, sollte diese stabil sein.
  • Alle Familienmitglieder sollen bereit sein, mit einem Kind/Jugendlichen aus einer anderen Familie leben zu wollen, dessen Verhaltensweisen und Gewohnheiten von den eigenen abweichen.
  • Sie sollten anerkennen, dass Pflegekinder/-jugendliche ein Recht auf Umgang mit ihrer Herkunftsfamilie haben.
  • Sie müssen sich in die Situation eines Kindes/Jugendlichen einfühlen können, das befristet oder auf Dauer von seinen Eltern getrennt leben soll.
  • Sie müssen bereit sein, sich auf die Aufgabe als Pflegefamilie vorzubereiten und bei Konflikten rechtzeitig um Beratung oder Supervision nachzusuchen.
  • Sie müssen bereit sein, mit der Durchführungsstelle, mit Fachpersonen, der Pflegekinder-Aufsicht und anderen Behörden zusammenzuarbeiten.
  • Ihre finanziellen Verhältnisse müssen geordnet sein (z.B. keine Überschuldung).
  • Sie (und ihre Familie) sollen physisch und psychisch gesund und belastbar sein.
  • Bereitschaft zur Weiterbildung. Eine klare Bereitwilligkeit für das Einhalten des ordentlichen Dienstweges.

arrivo-bene überprüft interessierte Pflegefamilien nach interner Checkliste und führt intensive Gespräche mit ihr. Bei gegenseitiger Zustimmung, die Familie für Pflegekinder/ Jugendliche anzunehmen, erhalten diese vorerst einen Timeout-Klienten von maximal 2 Wochen. Die Familie wird in dieser Zeit mehrmals besucht. Sie und der Klient können jederzeit bei arrivo-bene anrufen. Werden gute Erfahrung gemacht, erhält die Familie neue Klienten. Es liegt in der Natur der Sache, dass die einzelnen Pflegefamilien, obwohl qualifiziert, unterschiedlich in der Ausübung ihrer Aufgabe mit Pflegebefohlenen sind. Je mehr Informationen über einen neuen Klienten bei Platzierungsbeginn vorliegen, desto besser können wir die am besten geeignetste Familie anbieten. Bei Langzeitplatzierungen werden mindestens zwei Probewochen empfohlen. arrivo-bene bleibt stets in engem Kontakt mit den Pflegefamilien, auch dann, wenn aktuell keine Klienten bei ihnen wohnen. arrivo-bene hat einen langjährigen nicht wechselnden Pflegefamilienstamm (zum Teil bereits in zweiter Generation). Der jeweilige Betreuungs-Stil ist bekannt, entsprechend zuverlässig und stabil für die jeweiligen Umsetzungen der Aufgaben.

Besondere Aufgabe der Geschäftsstelle:

  • Einholen von Referenzen bei zuständiger Gemeindebehörde
  • Einholen über Pflegefamilie eines Strafregisterauszuges und Sonderstrafregisterauszug
  • Durchsetzung der Ausschlusskriterien von Pflegefamilien bei Gewalt, schweren Regelverstösse, Übergriffe
  • Einholen über Pflegefamilie eines Gesundheitsnachweises der Pflegeeltern bei der Rekrutierung sowie anschliessend periodisch alle drei Jahre.
  • Überprüfung des Vorliegens der Pflegeplatzbewiligung der Pflegeeltern.
  • Kontrolle Einhaltung des Präventions- und Interventionskonzepts

 

4. Leistungserbringung der Familienplatzierungs-Organisation an zuweisende Stellen

4.1 Dienstleistungsmodule

4.1.1 Grundmodul

Das Grundmodul enthält Kost und Logis für die Jugendlichen, sowie die Begleitung und Unterstützung in den lebenspraktischen Bereichen. Neben der Alltagsgestaltung gibt es jeweils wöchentlichen Lektionen in Gestalten und Werken.

4.1.2 Home-Schooling

Home-Schooling ist eine interne Beschulungsform, die individuell auf die spezifischen Bedürfnisse der Jugendlichen abgestimmt ist und welches zum Tragen kommt, wenn ein Besuch der öffentlichen Schule nicht oder noch nicht möglich ist. Grundsätzlich sollen die Jugendlichen nach Möglichkeit die öffentliche Schule besuchen. Bei der internen steht die Aufarbeitung der bestehenden Defizite und Lücken im Vordergrund und nicht der Hauptschulabschluss im klassischen Sinn, da ein solcher aufgrund der Ressourcen und Verhaltensauffälligkeit in vielen Fällen wenig realistisch ist.

4.1.3 Berufliche Qualifikation

Anhand interner und externen Praktikumsmöglichkeiten werden Abklärungen getroffen, in welche Richtung und auf welcher Stufe eine Berufsbildung möglich scheint. Intern werden die Berufe in der Pferdewirtschaft und Landwirtschaft angeboten, in den Netzwerkbetrieben Bauberufe. In diesen Bereichen wird zudem niederschwellig ein intern qualifizierter und bestätigter Kompetenzausweis angeboten.

Bei der beruflichen Qualifikation geht es im Wesentlichen darum, das maximal mögliche anzutrainieren, um die Jugendlichen und jungen Erwachsenen soweit zu qualifizieren, dass sie, soweit wie möglich, eine eigenverantwortete Existenzgestaltung wahrnehmen können.

4.1.4 Therapeutische Unterstützung

Eine therapeutische Unterstützung ist bei Personen mit Suchtthemen und/oder psychischen Auffälligkeiten eine Grundvoraussetzung um überhaupt aufgenommen zu werden. Es wird eine aktive Mitwirkung erwünscht, der Persönlichkeitsschutz und Datenschutz wird garantiert. Es stehen klassische und alternative Therapie Formen zu Verfügung es gilt die Wahlfreiheit der Therapeuten. Im Betrieb Rapunzel in Oltingen steht für diesen Zweck ein Praxisraum zur Verfügung.

4.2 Pädagogische Grundsätze

Diese pädagogischen Grundsätze gelten für alle MitarbeiterInnen und die Pflegefamilien von arrivo-bene. Wir bieten eine liebvolle und umfassende Betreuung. Wir gehen auf die Bedürfnisse unserer Klientel ein und versuchen ihre Gefühle ernst zu nehmen und respektieren ihre Persönlichkeit. Wir fördern zur Selbständigkeit, damit sie ein gutes Selbstwertgefühl und Vertrauen in die eigenen Kräfte entwickeln.

  • Wir schaffen Lernräume und Beschäftigung in einem geordneten Tagesablauf für eine gute Entwicklung.
  • Wir tragen mit guter Qualität und abwechslungsreichen Menüs Sorge zur Gesundheit der Kinder/Jugendlichen bei.
  • Wir leben Respekt und Toleranz und nehmen Rücksicht aufeinander – im Team, in der Zusammenarbeit mit den Eltern, den Behörden und auch gegenüber der Umwelt. Wir fördern u.a. auch mit Vorbildwirkung die Sozialkompetenz.
  • Wir setzen unserer Klientel Grenzen, ohne den nötigen Freiraum einzuschränken.
  • Grenzen und Regeln dienen dazu Klarheit zu schaffen. Sie fördern Schutz, Sicherheit und Vertrauen.
  • Unsere pädagogischen Grundsätze umfassen positive Wertschätzung und emotionale Wärme. Wir akzeptieren daher unsere Klientel als die Menschen, die sie sind, und nicht als die, die sie sein sollten. Mit dieser akzeptierenden Haltung tragen wir zu einer soliden Vertrauensbasis bei, die im täglichen Kontakt dann auch unser erziehendes, manchmal konfrontierendes Durchsetzungsvermögens erträgt.
  • Ziel bleibt die weitgehendste gesellschaftliche und berufliche Integration.

«Bei der Erziehung muss man etwas aus dem Menschen herausbringen und nicht in ihn hinein.»

Friedrich Fröbel (1782 – 1852) 
Pädagoge / Erfinder des Kindergartens

Aus den sozialen und pädagogischen Leitgedanken ergibt sich grundlegend der Auftrag, durch pädagogisches Handeln die Leistungsempfänger in ihrer Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt, mit ihrer Ausbildung und ihrer Beeinträchtigung zu unterstützen und sie durch individuelle Hilfestellung für ein Leben in der Selbständigkeit vorzubereiten. Für Langzeitplatzierte Klienten und Sozialpädagogische Betreuung gilt die Förderung in die Selbständigkeit im Rahmen der Möglichkeiten und dem individuellen Bedarf an Rahmengebung und Unterstützung.

Sozialpädagogische Begleitung von Pflegefamilien

In erster Linie gilt der pädagogische Grundsatz: „Gedeihliche Förderung durch Beziehung statt Erziehung“. Gelingt es eine Beziehung aufzubauen, ist während dieser Phase und auch danach, die Vorbildwirkung ein wesentliches Element einer, zwar langsamen, aber dienlichen und ermutigenden Entwicklung. Das Ziel ist eine möglichst weitgehende Integration in die Gesellschaft und adäquate Sozialkompetenz.

arrivo-bene unterscheidet die sozialpädagogische Begleitung folgendermassen:

  • die Sozialpädagogische Begleitung durch arrivo-bene,
  • die Sozialpädagogische Begleitung durch den Auftraggeber,
  • die Sozialpädagogische Begleitung in verringerter Form.

Sozialpädagogische Begleitung durch arrivo-bene

Die Geschäftsstelle begleitet die langzeitplatzierten Klienten der Pflegfamilien und steht letzteren beratend zur Verfügung. Die Dauer und Intensität der Begleitung richtet sich nach dem individuellen Bedarf, mindestens 2 Std. pro Woche. Der Auftraggeber kann allenfalls Zeit und Inhalte vorgeben. Die Begleitung umfasst: Sozialpädagogische Beratung, Unterstützung und Intervention, Bewältigung von Fragen. Gezielte Einzelgespräche finden situativ statt. Kreative und impulsgebende Massnahmen sollen Jugendlichen helfen, das eigene Tun in einem geschützten Setting zu reflektieren. Die Pflegfamilien können jederzeit eine zusätzliche sozialpädagogische Unterstützung anfordern.

Sozialpädagogische Begleitung durch den Auftraggeber

Bei Timeouts bleibt die Sozialpädagogische Begleitung beim Auftraggeber bzw. dessen beauftragter Institution. Die Beziehungsperson besucht den Klienten und berät die Pflegefamilie. Sie bleibt in engem Kontakt mit arrivo-bene. Ein Wechsel zur Sozialpädagogin von arrivo-bene macht in der kurzen Zeit eines Timeouts wenig Sinn und wäre in der Auswirkung eher störend.

Sozialpädagogische Begleitung in verringerter Form Bei Klienten mit eingeschränkter Wahrnehmung und/oder psychischen Leiden macht eine Sozialpädagogische Begleitung in verringerter Form entsprechenden Sinn. Wenn es gelingt, dass der Klient den Alltag bewältigen kann (Aufstehen, Zeiten einhalten, leichte Beschäftigung, Umgang mit Menschen und Tieren) ist meistens viel erreicht. Im Vordergrund steht die psychiatrische, komplementär-, psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung, ergänzend dazu kann bei Bedarf eine Heilpädagogische Unterstützung erfolgen.

Notfälle

Die Geschäftsstelle steht auch ausserhalb der Bürozeiten für Notsituationen zur Verfügung und kann sowohl von den Jugendlichen wie auch den Pflegeeltern beansprucht werden.

4.3 Aufnahmeprozedere

arrivo-bene erhält durch den Auftraggeber Informationen über den zu platzierenden Klienten, so u.a. die Lebensbiographie, Diagnosen, Gutachten, Berichte und mündliche Erklärungen, etc. Aufgrund dieser Informationen sucht arrivo-bene eine geeignete Gastfamilie aus und bespricht mit ihr den Fall eingehend. Sofern deren Bereitschaft für eine Übernahme besteht, der Auftraggeber darüber orientiert ist und mit dem Klienten das Ganze besprochen wurde, werden eine bis zwei Probewochen angesetzt. Die Ansicht der Eltern soll, wenn immer möglich mit einbezogen werden. Sind die Probewochen günstig verlaufen, wird der Klient mit Einverständnis aller Beteiligten definitiv platziert. Bestehen begründete Einwände von einer Seite wird das Verfahren neu mit einer anderen Gastfamilie vollgezogen. Der Auftraggeber entscheidet abschliessend.

Die Orientierung der Klientel über eine Fremdplatzierung ist in erster Linie Sache der Auftraggeber (KESB, Beistände, Soziale- Dienste, Jugendanwaltschaften, IV, u.a.m.). In der Regel folgt ein Vorgespräch mit den Eltern und anschliessend eines mit dem betroffenen Jugendlichen. Ein weiteres Gespräch findet mit dem betroffenen Jugendlichen, dessen Eltern und arrivo-bene statt. Dabei wird das Vorgehen und die Details über die Platzierung festgehalten.

4.3.1 Auftrag

Der Auftrag der einweisenden Behörde an die Familienplatzierungs-Organisation für die Platzierung eines Kindes/Jugendlichen erfolgt schriftlich und wird allen Beteiligten zugestellt. Er ist für alle Beteiligten verbindlich. Darin wird u.a. folgendes geklärt:

  • Ziel der Platzierung
  • Zuständigkeit für Unterstützung im Erreichen der vereinbarten Ziele / Hilfeplan
  • Rechtliche Voraussetzungen für Platzierung
  • Haftungsbestimmungen und Versicherungsschutz (z.B. Haftpflicht, Krankenversicherung, etc.) Die Verantwortung für die Begleitung der Pflegefamilie liegt bei der Familienplatzierungs-Organisation.

4.4 Austritt

Der ordentliche Austritt aus den Angeboten von arrivo-bene erfolgt bei Erreichung der Zielsetzungen welche mit der Platzierung verfolgt wurde, bei erfolgreichem Lehrabschluss, bei Erreichung der Volljährigkeit ohne Anschlussvereinbarung sowie durch die Auflösung des Platzierungsvertrags durch die zuweisenden Stellen. arrivo-bene behält sich vor, Jugendliche von den Angeboten auszuschliessen. Ausschlussgründe sind massive Gewaltanwendung und schwere Regelverstösse sowie bei einer grundlegenden Verweigerung der Jugendlichen an den Regelstrukturen der Angebote teilzunehmen. Die Geschäftsstelle setzt die Ausschlüsse der Jugendlichen durch und zeigt sich für die Suche nach Anschlussmöglichkeiten mitverantwortlich.

4.5 Qualitätskontrolle der Platzierung

  • Akten oder Journalführung durch Familienplatzierungsorganisation
  • regelmässige Standortbestimmungen mit allen Erziehungsverantwortlichen (2-4 Mal pro Jahr)
  • Beizug von Fachstellen oder Fachpersonen (Therapie, Arzt, Berufsberatung, etc.)
  • Regelmässige Besuche der Geschäftsstelle der Klienten (i.d.R. wöchentlich, aufgrund der Phase des Klienten können aber auch mehr oder weniger Besuche erfolgen)

 

5. Leistungen der Familienplatzierungs-Organisationen an Pflegefamilien

5.1 Begleitung der Pflegefamilien (Feinkonzept):

  • Die Familienplatzierungs-Organisation unterstützt die Pflegefamilien insbesondere mit:
  • Praxisberatung, Coaching der Pflegefamilie
  • Krisenmanagement (24h-Erreichbarkeit – Pikett)
  • Entwicklungsplanung und Standortbestimmungen
  • Klare Zuständigkeit der Platzierungsorganisation gegenüber Pflegefamilie / klare Schnittstelle
  • Erfahrungsaustausch- und Intervisionsgruppen für Pflegefamilien
  • Vermittlung und Reflexion über: Grundwerteorientierung, Weltanschauung, Menschenbild, Gesellschaftsbild, Haltung, Vor- und Leitbilder, Theoriemodelle, etc.
  • Rolle Pflegefamilie – Organisation: befristetes Auftrags- oder Anstellungsverhältnis, rechtliche Stellung, Vernetzung mit anderen Pflegefamilien
  • Verantwortlichkeiten der Pflegefamilie: Definition der Sorgfaltspflicht, Schweigepflicht, Informationspflicht
  • Umgang lernen mit „schwierigen“ Themen: Gewalt, Strafen, Sexualität, Drogen, etc.
  • Kontinuierliche Überprüfung und Reflexion des Pflegeverhältnisses
  • Akzeptanz und Berücksichtigung der Lebensgeschichte des Kindes/Jugendlichen und der Herkunftsfamilie, Kontakte zur Herkunftsfamilie

Die Pflegefamilie achtet auf eine gute Vernetzung in Nachbarschaft, Gemeindebehörde und mit der Schule

5.1.1 Qualifizierung der Pflegefamilien (Aus- und Weiterbildung)

Das Personal und die Pflegefamilien werden zu Kursen eingeladen deren Themen sich mit Gewalt und sexuellem Missbrauch befassen. Im Wissen, dass nach der ‚Frustrations-Aggressions-Hypothese‘ Frustration oft auch Aggression hervorruft, versuchen wir mittels sozialem Lernens als Bewältigungsstrategie negative Emotionen tief zu halten.

5.2 Abgeltung an Pflegefamilien

Die Pflegefamilien erhalten für die Betreuung der Kinder/Jugendlichen einen Lohn, sowie für Unterkunft und Verpflegung eine Entschädigung. Für die Dauer der Platzierung sind sie von der Familienplatzierungs-Organisation angestellt. Die Details sind in der spezifischen Vereinbarung geregelt.

 

Phone: +41 79 401 03 87
Ernesto Hauri, Geschäftsführer, Rugghölzli 19B, 5453 Remetschwil
Toni Gass, Präsident, Wolfloch 175, 4494 Oltingen